Wie versprochen, erzähle ich mal etwas mehr zu meinen Schuhversuchen.
Seit über einem Jahr bin ich nun schon auf der Suche nach Möglichkeiten, mir eigene Schuhe zu machen.
Meine Motivation kommt in erster Linie aus der Not, keine passenden Schuhe für meine empfindlichen Füße zu bekommen.
Und wenn ich etwas halbwegs Passendendes (physisch, nicht optisch) finde, dann sind es eher Sportschuhe, die nicht so sehr mit meinen Kleidern harmonieren.
Oder der Typ beige Oma-Schuhe.
Über mein erstes gelungenes also passendes Paar habe ich
hier und
hier berichtet.

Meine Erkenntis dieser langen Reise: Es ist sehr mühselig und im Endeffekt nicht gerade kostengünstig, sich die nötigen Techniken und Kenntnisse nur über das Internet aneignen zu wollen.
Die Kosten entstehen über die vielen Materialien, die ich gekauft habe und die sich für diese Zwecke als unbrauchbar herausgestellt haben.
Außerdem blieben bei mir noch immer viele Fragen offen.
Es war an der Zeit, einen richtigen Kurs zu besuchen. In Deutschland wurde ich leider nicht fündig. In England gibt es zwei Anbieter, die ich interessant fand. Wenn ich das richtig verstanden habe, werden dort Standardleisten verwendet. Und die passen mir ja nun mal nicht, d.h. ich müsste sie im ersten Schritt anpassen, was im normalen Kurs nicht vorgesehen zu sein scheint. Außerdem werden fertige Komponenten zusammengesetzt. Das ist sicher hilfreich zum Erlernen der Grundlagen, lässt aber wieder keine persönliche Anpassung zu. Bitte nicht falsch verstehen: wenn man mit der Passform der gängigen Kaufschuhe zurechtkommt, ist das sicher ein tolles Angebot. Nur mich bringt das aus o.g. Gründen leider nicht weiter.
Die Angebote in den USA scheiden für mich erstmal aus Kostengründen aus, zumal zu den Kursgebühren auch noch die Reisekosten und die Kosten für die Unterkunft kommen.
Und dann stieß ich auf die
Webseite von Franz Kälin in der Schweiz. Was ich da sah, hat mich umgehauen: Genau das, wonach ich gesucht hatte! Solide Schuhe (Herr Kälin ist Schuhmachermeister) in sehr individuellen Varianten und ungewöhnlichen Materialien. Als ich dort nach dem einwöchigen Kurs fragte, musste ich erfahren, dass die Kurse auf fast ein Jahr ausgebucht sind.
Alternativ bot er mir an, an dem dreitägigen Kurs "Schuhe leicht gemacht" teilzunehmen. Da müsste ich nur ein halbes Jahr warten. Das war eigentlich nicht so das, was ich wollte, aber besser als gar nichts. Also griff ich zu.
 |
| Gemeinsames Mittagessen vor der Werkstatt am Brienzer See |
Was soll ich sagen - ich bin begeistert! Es waren drei wunderschöne Tage mit netten Leuten.
Ich hätte so gerne noch viel mehr geschaut, was die anderen machen, mir die vielen Bücher und Materialien angesehen und und und ... Ich war so sehr von der Arbeit an meinen Schuhen absorbiert, dass kaum mehr Zeit für anderes blieb.
Die Schuhherstellung dauert nicht eine Woche, wie "normal" (mit Leisten), sondern etwa einen Tag. Und wenn man ordentlich arbeitet, dann sehen die Schuhe auch ganz ordentlich aus ;-)
Mein erstes Paar passt schon ganz gut, könnte aber an einer Stelle noch etwas weiter sein. Für das nächste Paar werde ich den Schnitt anpassen. Dank der vergleichsweise unaufwändigen Herstellung, ist das zum Glück relativ schnell ausprobiert.
Und nun die schöne Neuigkeit, von der ich
hier sprach.
Es wird ein Buch herauskommen, in dem Franz Kälin nicht nur die Technik verrät, sondern auch die Schnitte zum Selbermachen mitliefert. Josephine Barbe hat alles in Bild und Wort gekleidet.
Ich freue mich schon darauf! Sobald ich es habe, werde ich berichten.